Navigation überspringenSitemap anzeigen

Homestorys 04 - #77 Jonas Wolter

Wer Jonas Wolter besucht, wird mit einer unglaublichen Gastfreundschaft empfangen. Eine Nettigkeit, die einen fast umhaut. Vielleicht wichtig zu erwähnen, dass es sich dabei um seinen zweijährigen Labrador Charlie handelt, der jeden neuen Gast stürmisch begrüßt. Für Jonas ein wichtiger Bestandteil seines Lebens.

Wolter: Klar macht er viel Arbeit, aber er bereitet mir auch sehr viel Freude. Ich wollte schon immer einen Hund haben und vor zwei Jahren, während der Corona-Zeit, war der perfekte Zeitpunkt dafür. Da habe ich mir den Traum erfüllt. Mit ihm kann ich entspannen, rausgehen, den Kopf ausschalten und für mich sein, dabei erhalte ich sehr viel Unterstützung von meiner Freundin Julia.

Und damit ist er bei den Hannover Indians scheinbar nicht der einzige…

Wolter: Auf dem Hundeplatz in der Eilenriede treffen wir regelmäßig auch Robin Palka mit seinem Hund. Die beiden verstehen sich bestens.

Mit dem Karneval hat der gebürtige Kölner hingegen nichts am Hut. Wohl auch, weil er schon mit drei Jahren mit seiner Familie nach Kaufbeuren gezogen ist. 

Wolter: Meine Mutter rief neulich an und jubelte mir ein „Kölle allaf“ zu. Ich konnte damit allerdings nicht viel anfingen.

Köln – Kaufbeuren – Hannover. Jonas` kleine Deutschlandreise hat bei dem 27-Jährigen für einen Perspektivwechsel gesorgt:

Wolter: Ich habe früher nie wahrgenommen, wie schön es in Kaufbeuren ist. Als ich aber im letzten Sommer mit meiner Freundin für zwei Wochen dort war, habe ich alles neu erlebt: Die schöne Luft, die Berge. Das war ein absolutes Wow-Erlebnis! Auch diesen Sommer werde ich mit meinem besten Kumpel Phillip für ein paar Tage in die Heimat fahren. Als ersten Stopp wünsche ich mir einen Besuch bei unserem Stammrestaurant.

Rein sportlich musste sich Jonas in seiner Kindheit dennoch erstmal zurechtfinden. Fußball im Sommer, Eishockey im Winter und dazwischen für zwei Jahre sogar der Wechsel an die Tischtennisplatte.

Wolter: Als sich die Trainingszeiten irgendwann überschnitten und meine Freunde vor derselben Entscheidung standen, haben wir uns alle fürs Eishockey entschieden. 

Und trotzdem schlummert ihn im noch ein anderes, handwerkliches Talent.

Wolter: Ich habe eine Lehre zum Metallbauer im Bereich Konstruktionstechnik gemacht, was sehr abwechslungsreich war und mir viel Spaß gemacht hat. Ich habe Garagentore abgerissen und neue eingebaut, Türen und Fenster bearbeitet. Auch Treppen habe ich ausgemessen, skizziert und eingebaut. Dann habe ich mir Material aus dem Lager geholt und angefangen zu sägen, bohren und schweißen. Und als die Treppe fertig war, habe ich sie montiert. Es hat mich glücklich gemacht, quasi aus Nichts etwas erbaut zu haben.

Indians: Also bist du eher ein Kopfmensch, statt Dinge auch mal aus dem Bauch heraus zu entscheiden?

Wolter: Auf jeden Fall! Auch beim Sport.

Indians: Kannst du uns ein Beispiel dafür geben?

Wolter: Bei mir hängt viel von der Trainingswoche ab. Wie man trainiert, so spielt man dann auch. Je besser die Vorbereitung, je leichter fällt mir das Spiel. Und das läuft alles im Kopf ab. 

Indians: Wann fällt der Druck ab? 

Wolter: Nach einem Sieg, wenn man dann erschöpft ist und alles auf dem Eis gelassen hat. Wenn man dann zu den Fans fährt, ihre strahlenden Gesichter sieht und selbst nach den 60 Minuten total leer ist. Das fühlt sich großartig an.

Und auch vor dem Spiel geht Jonas regelrecht das Herz auf.

Wolter: Das Opening vor dem Spiel ist sehr besonders. Es ist dunkel, die Fans rufen deinen Namen, wenn du aufs Eis gehst. Das ist dann Gänsehautatmosphäre. Und zeigt diese unglaubliche Leidenschaft unserer Fans für den Sport. 

Wenn da nicht eine Klitzekleinigkeit wäre…

Wolter: Ich sehe fast nie die Wunderkerzen im Stadion. Als Vorletzter gehe ich aufs Eis und dann sind die fast alles aus. Ich habe deshalb die Jungs gefragt, weil ich es auf einem Video mal gesehen habe: Brennen bei euch noch die Kerzen? (lacht) Dass scheinbar alle außer mir die Kerzen sehen, machts dann auch nicht besser. Vielleicht müssten wir mal die Reihenfolge ändern, dass die Stürmer zuerst aufs Eis gehen…

… und die Nummer 77 der Indians dann auch diese einmalige Stimmung mitbekommt.

Wolter: Apropos 77. Ich wollte immer die 7 haben. Die 7 ist die Glückszahl in meiner Familie. Meine Eltern haben beide eine 7 im Geburtsdatum, ich bin am 27.01.1997 geboren. Was auch echt kurios ist: Als Baby habe ich einen Schnuller bekommen mit einem Eishockeyspieler drauf. Und auch da war die Nummer 7 drauf. Das habe ich erst Jahre später entdeckt. 

Doch das ist nicht der einzige Aberglaube bei Jonas…

Wolter: Vor den Spielen esse ich immer dasselbe. Früher hatten wir in Kaufbeuren einen Italiener, der uns immer Nudeln mit einer Tomaten-Sahne-Sauce, Schinken und Champions gemacht hat. Als er dann aufgehört hat, habe ich es mir noch einmal liefern lassen. Meine Mutter hats probiert und nachgekocht, mir das Rezept aufgeschrieben und seitdem koche ich es immer selbst vor den Spielen. Wenn abends um 20 Uhr das Spiel ist, esse ich dann immer gegen 13 Uhr die Nudeln. 

Doch nicht nur die Nudeln alleine machen den Erfolg aus, auch das Lernen von den älteren Spielern gehört für Jonas dazu.

Wolter: In Kaufbeuren hatten wir mit Daniel Oppolzer eine Legende auf dem Eis. Er hat mir nach wirklich jedem Wechsel Tipps gegeben, was ich besser machen kann. Wenn du auf dem Eis bist, ist die Kommunikation auch mit der Bank unheimlich wichtig, weil du vieles hinter dir nicht siehst. Da reicht ein Kommentar von der Bank, der mir hilft. Und das gebe ich auch an die jungen Spieler weiter, dass es wichtig ist, auf dem Eis zuzuhören. In der zweiten Liga wird beispielsweise viel mehr gesprochen als in der Oberliga. Wenn da einer den Puck bekommt, weiß er schon zu 99 Prozent wie es weitergeht. Und das macht den Unterschied aus. Bei uns überlegen wir erst, wenn wir den Puck schon haben, wie es weitergeht.

Indians: Welche Ziele hast du noch auf dem Eis?

Wolter: Früher war die DEL das Ziel. Mittlerweile sind Prioritäten andere. Ich fühle mich in Hannover sehr wohl und bin mittlerweile hier zu Hause. Ich sehe sehr viel Potential in der Organisation und kann mir daher durchaus vorstellen in Zukunft mit den Indians um die Meisterschaft mitzuspielen. 

Indians: Zudem gibst du ja auch in der Kabine den Ton an…

Wolter (lacht): Ja, stimmt. Seit einigen Wochen bin ich der DJ, aber nur vor den Spielen. Wenn wir gewonnen haben, macht Tobi Möller nach den Spielen die Musik. Wenn wir verloren haben, gibt’s danach gar keine Musik. 

Indians: Was steht in den Kabinen-Charts ganz oben?

Wolter: Am Anfang gibt es vor den Spielen „Gute-Laune-Musik“, jeder kann mitsingen, die Stimmung ist super. Zum Beispiel von „The Weekend“ dann „Blinding Lights“- Da singen viele mit. Dann kommt die Besprechung mit anschließendem Warm-Up. Und beim Umziehen folgt dann „Techno-Musik“, mit einem schnellen Beat. Die Jungs fokussieren sich dann schon aufs Spiel, der Kopf geht mit. Alle sind schon im Tunnel. Als letztes Lied bevor es aufs Eis geht lege ich dann „Where the hood at“ vom DMX auf. Dann stehen viele in der Kabine auf. Geile Stimmung kurz vorm Spiel. 

Indians: Und nach den Spielen?

Wolter: Nach dem Spiel gibt dann bei Siegen zuerst „Pina Colada“ aufs Ohr. Ein altes Lied, das sich mal Igor Bacek gewünscht hat. (lacht) Ich mag das ja überhaupt nicht, aber es wird jedes Mal gespielt. Und irgendwann haben wir alle einen Delfin in unserer Bauchtasche.  Im Training hören wir alles querbeet. Das übernimmt dann aber Tobi. 

Indians: Was wird dir am meisten fehlen, wenn es denn dann mal irgendwann vorbei ist und du mit dem Eishockey aufgehört hast?

Wolter: Viele Kumpels, die schon aufgehört haben, vermissen gar nicht so das Spielen auf dem Eis, sondern mehr die Gemeinschaft in der Kabine, den besonderen Spirit, der da herrscht. Das hast du bei keiner anderen Arbeit. Die Fahrten zu den Spielen. Den Vormittag, wo du nichts zu tun hast und einfach mal völlig entspannt Kaffee trinken gehen kannst. Ich liebe das und das wird mir dann schon fehlen. Aber bis das soweit ist, wird es zum Glück noch ein bisschen dauern.  

 

Homestorys 04 - #77 Jonas Wolter
Zum Seitenanfang