Die Gallier vom Pfaffenwinkel: Der EC Peiting im Playoff-Check
Das lange Warten hat ein Ende, und mit dem Beginn der Endrunde bricht am Pferdeturm traditionell die emotionalste Phase des Eishockey-Jahres an. Als erster Prüfstein wartet mit dem EC Peiting ein echtes Schwergewicht an Erfahrung aus der Oberliga Süd. Die Oberbayern sind bereits seit 1973 fester Bestandteil dieser Spielklasse und gelten als Inbegriff von Beständigkeit und Bodenständigkeit. Vor der aktuellen Spielzeit gab sich der Verein eine neue Identität als „Gallier“, was ihren Status als sympathisches, aber wehrhaftes Dorf im Konzert der Großen unterstreicht. Mit einem Gesamtetat von unter einer Million Euro agiert der Club finanziell eher am unteren Ende der Liga-Skala, macht diesen Nachteil jedoch durch eine exzellente Nachwuchsarbeit und ein enorm hohes Maß an ehrenamtlichem Engagement wett. Dass dieses Konzept aufgeht, zeigt der Blick auf die letzten zehn Jahre, in denen der ECP regelmäßig tief in die K.-o.-Runden vordrang.
Neuer Impuls an der Bande und der Weg in die Endrunde
Sportlich verlief die Hauptrunde für die Gäste alles andere als geradlinig. Nachdem man im Dezember bis auf den elften Tabellenplatz durchgereicht wurde, reagierte die Vereinsführung und trennte sich von John Sicinski. Das Risiko, einen neuen Negativrekord aufzustellen, war zu groß. Mit Landon Gare übernahm ein Mann das Kommando, der zwar über enorme Erfahrung auf dem Eis verfügt, als Cheftrainer jedoch Neuland betrat. Der ehemalige Selber Publikumsliebling, der seine aktive Laufbahn nach einem gesundheitlichen Rückschlag beenden musste, brachte sofort seinen ausgeprägten Erfolgshunger in die Kabine. Unter seiner Leitung stabilisierte sich das Team und sicherte sich, auch begünstigt durch das Ausscheiden der Heilbronner Falken, den direkten Playoff-Einzug. Trotz eines personellen Umbruchs in der Defensive und dem schmerzhaften Abgang des letztjährigen Top-Scorers schafften es die Gallier, pünktlich zur wichtigsten Saisonphase ihre Form zu finden.
Die Import-Achse als Herzstück des Kaders
Das Spiel der Peitinger ist extrem auf ihre erste Formation zugeschnitten, die fast ausschließlich auf dem französischen Markt gescoutet wurde. Das Trio um John MacKinnon, Justin Maylan und Carson Brière bildet eine der gefährlichsten Offensiv-Einheiten der gesamten Liga und zeichnet für einen Großteil der Tore verantwortlich. Während MacKinnon als kaltschnäuziger Vollstrecker fungiert, glänzt Maylan vor allem als kreativer Spielgestalter. Unterstützt werden sie vom treffsicheren Thomas Heger, der die deutsche Fraktion im Angriff anführt. In der Verteidigung setzen die Gäste auf die Erfahrung des Garmischers Simon Mayr und die Physis von Christian Obu. Dennoch fällt die Leistungsdichte hinter den Top-Leuten spürbar ab. Auch auf der Torhüterposition zwischen Thommi Steffen und Andreas Magg fehlt es im ligaweiten Vergleich an der statistischen Dominanz, was eine potenzielle Angriffsfläche für unsere Offensive darstellt.
Statistiken als taktischer Wegweiser
Ein Blick auf die nackten Zahlen der Hauptrunde offenbart einige Schwachstellen im Gefüge der Oberbayern. Mit lediglich 19 Siegen und einer deutlich negativen Tordifferenz von minus 34 agierte Peiting keineswegs wie ein Spitzenteam. Besonders das Unterzahlspiel erwies sich mit einer Erfolgsquote von lediglich 76,2 Prozent als anfällig. Gepaart mit der Tatsache, dass die Gallier in der Fairplay-Tabelle eher im hinteren Bereich zu finden sind, könnten sich für unsere Indians entscheidende Vorteile in Überzahl ergeben. Akteure wie Lukas Gohlke oder Fabian Weyrich suchen gerne den körperlichen Kontakt, was oft zu Besuchen auf der Strafbank führt. Wenn es unserer Mannschaft gelingt, die Kreise der ersten Peitinger Reihe einzuengen und gleichzeitig die sich bietenden Powerplay-Chancen konsequent zu nutzen, liegen die statistischen Trümpfe klar auf unserer Seite.
Orientierungshilfen für die Reise in den Pfaffenwinkel
Für unsere treuen Anhänger, die den Weg in den Süden antreten, hält Peiting ein paar charmante Tücken bereit. Der geschichtsträchtige Marktort ist für seine Vielzahl an Kirchen bekannt, was nach einem langen Spieltag und dem einen oder anderen Kaltgetränk schon mal zur Orientierungslosigkeit bei der Hotelsuche führen kann. Wer vor dem Spiel noch eine Stärkung sucht, sollte das Central Café am Hauptplatz ansteuern, da alternative Lokalitäten wie die Zechenschenke oder die Pizzeria A Casa oft geschlossen haben. Für Autoreisende bietet sich zudem ein Abstecher ins benachbarte Schongau an, wo der Löwenhof oder der Lechwirt für ihre gute Küche bekannt sind. Angesichts der starken regionalen Konkurrenz durch Vereine wie Füssen oder Kaufbeuren ist der Zuschauerzuspruch in Peiting oft überschaubar, was die Leistung des ehrenamtlich geführten Clubs aber nur noch beeindruckender macht. Wir bitten daher alle mitfahrenden Fans, der dortigen Eishalle den nötigen Respekt entgegenzubringen und auf Verschmutzungen oder Aufkleber zu verzichten, um die gute Beziehung zwischen den Standorten zu wahren.